PRESSEMITTEILUNG

Gemeinschaft braucht Anerkennung von Missständen

Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg fordert breite öffentliche Debatten über gesellschaftliches Umdenken zur Rettung unserer Demokratie

Anlässlich des Internationalen Tags der Demokratie am 15.09.2026 ruft der Landesfrauenrat Baden-Württemberg (LFR BW) zum Widerstand gegen die Abwertung von Menschengruppen und zur Anerkennung der existierenden großen Verunsicherungen und Krisen unserer Zeit auf.

Es würde immer noch von zu vielen in Deutschland an „gegebene“ Hierarchien zwischen Menschengruppen, somit auch zwischen Frauen und Männern, geglaubt und dadurch eine der Gruppen wie die gern auf Emotionalität und Sensitivität reduzierten Frauen abgewertet, ist Verena Hahn, Zweite Vorsitzende des LFR BW, überzeugt. „Viele wollen nicht glauben, wie tief weiterhin festgefahrene Rollenbilder und Stereotype sitzen. Jedoch belegen Studien dies, beispielsweise die Leipziger Autoritarismus-Studie der Heinrich-Böll-Stiftung, nach der rund jeder und jede vierte Deutsche antifeministische und sexistische Haltungen aufweise.“

Wichtig sei jedoch darüber hinaus, dass die Verunsicherung unserer Zeit anerkannt und die möglichen Katastrophen benannt würden. „Es geht nicht nur um die zurückhaltende Umsetzung der KI in unserer Wirtschaft oder um einzelne Maßnahmen zur Abkühlung im heißen Sommer, es geht um weitaus mehr“, sagt Hahn. Wir seien aufgefordert, die anstehenden Umwälzungen klar zu benennen und die meiste Energie darauf zu investieren, diesen mit offener und breiter Diskussion und nicht mit alten Mustern zu begegnen.

Hahn kritisiert, dass die Katastrophen unserer Zeit bisher immer noch klein- oder zerredet würden. Wir müssten längst diskutieren, wie wir unsere Demokratie erhalten, indem wir die Gesellschaft umbauen, um z.B. die Architektur der Lohnarbeit umzugestalten, um eine Wirtschaftsleistung zu erfassen, die sich zwar in Gewinnen und Börsenkursen niederschlägt, nicht aber im Lohneinkommen. „Die KI erfordert solch ein Umdenken, wir sollten die Fragen nach Produktivität und Wertschöpfung in Zeiten von KI längst diskutieren. Jedoch müssen wir uns den Ursachen stellen und nicht in Einzelmaßnahmen oder der Negierung der massiven Umwälzungen verlieren, dazu braucht es viele mutige Menschen“, führt Hahn aus.

Diese Diskussionen sind dem LFR BW, der sich seit über 50 Jahren für die Gleichstellung von Frauen und Männern einsetzt, bestens bekannt: Soziale Missstände wie auch die fehlende Gleichstellung von Frauen und Männern wurden Jahrzehnte in Frage gestellt, die Lücken in der Gleichstellung, sogenannte Gaps, irgendwann benannt, aber Ursachen nicht erkannt und somit auch weiterhin zu wenig bekämpft.

Der LFR BW ist überzeugt, dass es jetzt darum geht, offene Debatten über gesellschaftliche Umbauten zu führen, um den Krisen zu begegnen. Und es geht gerade nicht darum, alte Muster aufleben oder verstärken zu lassen. „Dazu müssen wir die Krisen nicht leugnen oder kleinreden, sondern die Herausforderungen anerkennen und jetzt fundamentale demokratische Lösungen breit in der Öffentlichkeit diskutieren“, fordert Hahn. Denn erst aus der unumwundenen Anerkennung der Krisen könnten Lösungen breit diskutiert und sinnvoll angegangen werden, um dem Schlimmsten zu entgehen.