Equal Pay Day 2026: „Vom Berufseinstieg bis zur Rente: Wie sich Lohnungleichheit dauerhaft verfestigt“
Zum Equal Pay Day am 27. Februar 2026 weist der Landesfrauenrat Baden‑Württemberg (LFR BW) erneut auf die gravierenden Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern hin. Zwar ist der Gender Pay Gap bundesweit von 2023 auf 2024 um zwei Prozentpunkte gesunken, liegt aber weiterhin bei 16 Prozent – in Baden‑Württemberg sogar bei 19 Prozent. Der Verband macht deutlich: Lohngerechtigkeit ist eine Grundvoraussetzung für eine starke, widerstandsfähige Demokratie.
Die diesjährige Kampagne „equal pay every day“ zeigt, wie sich Ungleichheit über den gesamten Lebensverlauf verfestigt. Bereits in Schule und Ausbildung prägen stereotype Rollenbilder die Berufswahl. Frauen arbeiten später überdurchschnittlich häufig in schlechter bezahlten Branchen. Mit der Familiengründung verschärfen sich die Unterschiede: Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit, übernehmen den Großteil der Sorgearbeit und verlieren berufliche Entwicklungschancen. In der Lebensmitte arbeitet fast jede zweite Frau, aber nur jeder neunte Mann in Teilzeit – mit erheblichen Folgen für Einkommen, Karriere und Rente. Das Ergebnis ist ein Gender Lifetime Earnings Gap von 45 Prozent sowie ein Gender Pension Gap von 25,8 Prozent, der ohne Hinterbliebenenrenten sogar 36,9 Prozent beträgt.

Der LFR BW betont, dass diese Ungleichheiten nicht auf individuellen Entscheidungen beruhen, sondern auf strukturellen Hürden, die sich durch alle Lebensphasen ziehen. Für echte Entgeltgleichheit braucht es politische Reformen, faire Arbeitsbedingungen, transparente Entgeltstrukturen und ein konsequentes Hinterfragen tradierter Rollenbilder.
Ute Mackenstedt, Erste Vorsitzende des LFR BW, warnt: „Eine Demokratie kann nur dann stark sein, wenn alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihre Zukunft zu gestalten. Solange Frauen strukturell weniger verdienen, weniger Vermögen aufbauen und ein höheres Risiko für Altersarmut tragen, bleibt politische Teilhabe ungleich verteilt. Das schwächt unsere Demokratie.“
„Die diesjährige Kampagne zeigt eindrücklich, wie früh Ungleichheit beginnt und wie gravierend sie im Lebensverlauf wirkt,“ ergänzt Heike Fiestas Cueto, Schatzmeisterin im LFR BW und Präsidentin von BPW Germany. Equal Pay sei deshalb nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.
Der LFR BW fordert deshalb eine demokratiepolitische Gleichstellungsagenda für Baden‑Württemberg, darunter eine verbindliche Gleichstellungsstrategie für alle Landesressorts; Transparenzpflichten für Unternehmen, um Entgeltstrukturen offenzulegen; Stärkung der Vereinbarkeit von Beruf und Sorgearbeit, um ökonomische Abhängigkeiten zu reduzieren; Förderprogramme für Frauen in Führungspositionen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik; Maßnahmen gegen den Gender Pension Gap, um Altersarmut und soziale Spaltung zu verhindern und eine konsequente Umsetzung der Istanbul‑Konvention, da Gewaltfreiheit Voraussetzung für demokratische Teilhabe ist.
Der LFR BW macht deutlich: Gleichstellung ist ein Fundament der Demokratie. Ungleichheit hingegen schafft Abhängigkeit, Frust und politische Entfremdung. Zum Equal Pay Day 2026 fordert der Verband daher entschlossenes politisches Handeln, um die demokratische Mitte zu stärken und die ökonomische Gleichstellung von Frauen endlich zur Priorität zu machen.