Prostitution: Eine Gesellschaft ohne Prostitution ist das Ziel!

Podium bei der Informationsveranstaltung "11 Jahre Prositutionsgesetz: Bilanz und Handlungsbedarf aus Frauensicht" - April 2013 in Stuttgart v.l.: Claudia Sünder (LFR/Moderation), Yvonne Heine (Sozialwissenschaftl. Frauenforschungsinstitut Freiburg/Br.), Thomas Geiger (Polizeidirektion Stuttgart), Sabine Constabel (Sozialarbeiterin Stuttgart), Doris Köhncke (Fraueninformationszentrum Stuttgart)

Podium bei der Informationsveranstaltung “11 Jahre Prositutionsgesetz: Bilanz und Handlungsbedarf aus Frauensicht” – April 2013 in Stuttgart

In Prostitution und Zuhälterei (illegal oder legalisiert) findet das Machtverhältnis von Männern über Frauen und ihre Sexualität einen deutlichen Ausdruck. In legalisierter und gesellschaftlich anerkannter Prostitution manifestiert sich die Anerkennung dieses Machtverhältnisses. Wir fordern, dass der Staat und die Gesellschaft in Deutschland mit einem Prostitutionsverbot ein grundsätzliches Signal für einen gesellschaftlich anzustrebenden Wert einvernehmlicher nicht-warenförmiger Sexualbeziehungen setzen. Als Vorbild sehen wir die Gesetzgebung in Schweden und die Diskussion in einigen weiteren europäischen Ländern (z.B. in Frankreich).

Aktuell
Kampagne #RotlichtAus
Der Landesfrauenrat Baden-Württemberg und der gemeinnützige Verein ‚Sisters – für den Ausstieg aus der Prostitution! e.V.’ haben die Kampagne #RotlichtAus entwickelt. Damit soll landesweit eine deutliche gemeinsame Botschaft gegen Sexkauf gesetzt werden.
Unterstützt wird die Kampagne von über 200 Einzelpersonen und 20 Organisationen, darunter Terre des Femmes und Solwodi, die Zeitschrift EMMA und die Diözese Rottenburg-Stuttgart, sowie zahlreiche prostitutionskritische Bürgerinitiativen.
Das Internetportal von #RotlichtAus bündelt die Initiativen, die sich für Prostituierte und gegen das System Prostitution engagieren. Die drei Motive der Kampagne #RotlichtAus können angefordert werden, um damit zum Beispiel in der Kommune zu plakatieren oder Postkarten zu drucken und so eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Verharmlosung von Prostitution anzustoßen. #RotlichtAus richtet sich dabei auch an die Freier, die mit ihrer „Nachfrage“ den Prostitutionsmarkt überhaupt erst schaffen.
Weitere Informationen auf www.rotlichtaus.de

Ein starkes Signal für eine Gesellschaft ohne Prostitution war die klare Positionierung der früheren Frauenministerin Katrin Altpeter, die sich für das “Schwedische Modell” der Freierbestrafung ausspricht, in der Presse und auch in der Landtagsdrucksache 15/4646. Diese bezieht sich u.a. auf den Mehrheitsbeschluss des Europäischen Parlaments vom Februar 2014 (Auszug aus der Pressemitteilung des Europaparlaments – Rechte der Frau/Chancengleichheit − 26-02-2014):
Die EU-Staaten sollen die Nachfrage nach Prostitution eindämmen, indem sie die Freier bestrafen und nicht die Prostituierten, fordert das Europäische Parlament in einer am 26. Februar 2014 verabschiedeten nicht bindenden Resolution. Die Abgeordneten betonen, dass nicht nur Zwangsprostitution, sondern auch freiwillige sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung die Menschenrechte und die Würde des Menschen verletzen.
Das Parlament fordert die Mitgliedstaaten auf, Ausstiegsstrategien für Prostituierte zu entwickeln, indem zum Beispiel alternative Einnahmequellen für Frauen gefunden werden, die einen Ausweg aus der Prostitution suchen.
“Statt der Legalisierung, die in den Niederlanden und Deutschland zu einem Desaster geführt hat, brauchen wir einen nuancierten Ansatz, der die Männer bestraft, die die Körper der Frauen als Gebrauchsgegenstand behandeln, ohne dabei diejenigen zu bestrafen, die in die Sexarbeit abgeglitten sind”, so Mary Honeyball (S&D, UK), die die Resolution entworfen hat. “Wir senden ein starkes Signal: Das Europäische Parlament ist ambitioniert genug, um Prostitution aktiv zu bekämpfen, anstatt sie einfach als unumgängliche Realität zu akzeptieren.” Die nicht bindende Resolution wurde mit 343 Stimmen angenommen. 139 Abgeordnete stimmten dagegen bei 105 Enthaltungen.

Zum Weiterlesen:
Dokumentation der Veranstaltung des Landesfrauenrats am 26.4.2013: 11 Jahre Prostitutionsgesetz – Bilanz und Handlungsbedarf aus Frauensicht. im RUNDBRIEF 2-2013;

Publikation der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen Baden-Württemberg. Die ASF greift die Kontroverse in vielen interessanten Beiträgen auf, u.a. von: Evelyne Gebhardt MdEP, Elke Ferner MdB, Katrin Altpeter MdL, Sabine Constabel,  Angelika Klingel.  Zur Ausgabe

 

 

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