Unser Sozialstaat fordert faire Bedingungen, aber keine bürokratische Struktur, die von Hilfebedürftigen nicht bewältigt werden kann. Sie laufen so ins Leere. Auf dem vierten Fachtag Armut und Teilhabe Baden-Württemberg des Sozialministeriums Baden-Württemberg am 29.09.2026 in Stuttgart wurden dringlich erforderliche Vereinfachungen diskutiert. Vorträge mit Fragerunden und Gesprächsarenen ermöglichten intensive Austausche. Verena Hahn, Zweite Vorsitzende des LFR BW, verweist daher auf unsere Forderungen nach besserer Prävention in vielen Bereichen. Hier eine weitere Zahl dazu: Die Erwerbstätigkeit von Müttern reduziert die Armutsgefährdung von Kindern deutlich von 72% auf 37%.
Nein, wohnungslose Menschen sind in der Mehrheit nicht „selbst schuld“ und ja, Wohnungslosigkeit ist auch ein strukturelles Problem: Die Anzahl der Sozialwohnungen hat trotz gestiegener Mietpreise dramatisch abgenommen, wobei die Bruttogehälter seit dem Jahr 2000 nicht entsprechend gestiegen sind. Dies sind Feststellungen aus dem schonungslosen Vortrag von Prof. Timo Weishaupt, Uni Göttingen, zu den Mythen der freiwilligen Wohnungslosigkeit: „Arm, wohnungslos, selbstbestimmt? Zum Mythos der freiwilligen Wohnungslosigkeit und den Grenzen des Sozialstaats“. Er ging immer wieder auf die besonderen Bedarfe der Frauen ein, für die es weiterhin an angepassten Angeboten wie auch für traumasensible Bedarfe fehle.
Zum Nachlesen empfahl nicht nur Prof. Weishaupt das Buch von Janita-Marja Juvonen, sondern auch unsere Zweite Vorsitzende Verena Hahn: „Die Anderen. Die harte Realität der Obdachlosigkeit“. Die persönlichen Erfahrungen dieser Autorin aus 14 Jahren auf der Straße räumen mit vielen der immer noch grassierenden Mythen über obdachlose Frauen auf. Dringende Leseempfehlung!

Auf dem Foto sind zu sehen: Prof. Timo Weishaupt und Verena Hahn