Michèle Kiesewetter – Ort 2

MICHÈLE KIESEWETTER

LEBENSDATEN
10.10.1984 – 25.4.2007

Polizeimeisterin

ERINNERUNGSORT 1
Stele für Michèle Kiesewetter und die Opfer des NSU, zwischen Otto-Konz-Brücke und Eisenbahnbrücke, im hinteren Teil der Theresienwiese, 74072 Heilbronn

ERINNERUNGSORT 2
Blauglockenbaum zum Gedenken an Michèle Kiesewetter, Karlstraße 108, 74076 Heilbronn

Ihr Tod passt nicht ins Bild: Sie ist das einzige weibliche Opfer der rechtsextremen Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und sie hatte keinen Migrationshintergrund. Im April 2007 wurde die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter per Kopfschuss hingerichtet, ihr Kollege lebensgefährlich verletzt – am helllichten Tag. Auf der Heilbronner Theresienwiese.

Der NSU hätte sich die Polizeiwaffen beschaffen wollen – so steht es in der Urteilsbegründung gegen Beate Zschäpe, das einzige weibliche Mitglied des Terrortrios, das 14 Jahre im Untergrund lebte und neben zehn Morden Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle verübte.

Die aus Thüringen stammende Polizistin ist das letzte Opfer des NSU. Zwischen 2000 und 2006 hatten die Neonazis außerdem Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık und Halit Yozgat ermordet.

Die Sicherheitsbehörden gerieten nach der Selbstenttarnung des Trios 2011 in die Kritik.
Sie hatten die Morde lange nicht als rassistisch motiviert anerkannt, sondern im angeblich mafiösen Umfeld der Opfer nach einem Motiv gesucht. Die Rolle des Verfassungsschutzes bleibt dubios: Hinweise wurden nicht bearbeitet, Zusammenhänge nicht erkannt, Akten hektisch vernichtet.