Catharina Vierordt

CATHARINA VIERORDT

LEBENSDATEN
1755 – 1842

erste Goldkontrolleurin in Pforzheim

ERINNERUNGSORT
Technisches Museum, Bleichstraße 81, 75173 Pforzheim

Catharina Vierordt erblickt im Jahre 1755 als Tochter des Postmeisters Becker das Licht der Welt. Über ihre Kindheit ist wenig bis nichts bekannt. Erst mit ihrer Heirat rückt Catharina in das öffentliche Gedächtnis.

Catharina heiratet 1779 den Goldkontrolleur der Stadt Pforzheim. Ihr Mann, Wilhelm Vierordt, ist der erste vom Markgrafen bestellte Beamte, der den Goldgehalt des Pforzheimer Schmucks zu kontrollieren hat. Wenn auch die Führung bestimmter Geschäfte nur Männern vorbehalten ist, helfen doch deren Ehefrauen mit. Eine Aufrechterhaltung der Geschäfte war ohne sie oft undenkbar. So arbeitet auch Catharina Vierordt neben der Tätigkeit im Haushalt und der Erziehung ihrer Kinder im Labor mit und erlernt selbst das Prüfen. Als ihr Mann wenige Jahre nach der Hochzeit erkrankt, führt sie die Geschäfte selbstständig weiter und lernt zu ihrer Unterstützung einen Gesellen an.

Nach dem Tod ihres Mannes 1789 bewirbt sich Catharina Vierordt um eine offizielle Übernahme der Geschäfte, die sie ohnehin schon die ganze Zeit schon geführt hat. Denn die Witwenrente würde bei weitem nicht ausgereichen, um sich und die vier Kinder zu ernähren.

Es ist jedoch keineswegs im Sinne der markgräflichen Verwaltung, einer Frau ein solch wichtiges öffentliches Amt zu übertragen. Man schlägt Catharina daher vor, sich mit einem der männlichen Bewerber für die Stelle zu verheiraten. Doch Catharina Vierordt lässt sich nicht beiseiteschieben und nimmt den Kampf um ihre eigenständige Existenz auf. Diesem Beharrungsvermögen und ihrer qualifizierten Arbeit ist es schließlich zu verdanken, dass Catharina Vierordt sich in der Auseinandersetzung behaupten kann.

Auch ohne neuen Ehemann übertragt man ihr am Ende das bisher Männern vorbehaltene Amt der Goldkontrolle. Unter der strengen Aufsicht des Oberamtes führt sie als „Controleuse d’or“ die Geschäfte viele Jahre weiter, bis zur Übergabe an ihren ältesten Sohn. Ihre Entschlossenheit, sich als Frau und Mutter beruflich und gesellschaftlich zu behaupten und einen gleichberechtigten Platz zu erobern, soll nicht vergessen werden.