Paula Rueß

PAULA RUESS

LEBENSDATEN
03.05.1902 – 08.08.1980

politisch engagierte Frau

ERINNERUNGSORT
Pliensaustraße 52, 73728 Esslingen am Neckar

Paula Rueß, geb. Kopp wird am 03. Mai 1902 in Lichtensteig in der Schweiz als Tochter deutscher Eltern geboren. Bald nach der Geburt stirbt ihre Mutter, und ihr Vater Christian Kopp kehrt in seine Heimatstadt Schwäbisch Gmünd zurück. Ihr Vater heiratet wieder. Aus dieser Ehe geht ein Sohn hervor. Christian Kopp, von Beruf Goldschmied ist seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied der SPD, tritt 1917 nach der Gründung der USPD dort ein und wird 1918 Mitglied im Spartakusbund, später der KPD. Auch seine Frau Marie ist KPD-Mitglied.

In der Schule ist Paula immer eine der Besten, und nach dem Besuch der Schule ist ein Studium vorgesehen. Der Erste Weltkrieg macht diese Pläne zunichte. Der Vater muss einrücken, die finanziellen Mittel für ein Studium fehlen. 1917 beginnt Paula eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Im selben Jahr tritt sie in die Sozialistische Arbeiterjugend ein. Von 1918 bis 1919 ist sie im Vorsitz der Freien Sozialistischen Jugend des Kreises Schwäbisch Gmünd. 1920 folgt der Eintritt in den Kommunistischen Jugendverband Deutschland (KJVD). 1923 wird Paula Kopp Mitglied der KPD und heiratet den Genossen Hermann Nuding. Wenige Wochen nach der Hochzeit geht dieser in die Vereinigten Staaten, wo er gemeinsam mit Amerikanern die Internationale Arbeiterhilfe aufbaut. Paula soll in die Vereinigten Staaten nachkommen, erhält aber keine Einreisegenehmigung.

1925 kehrt Hermann Nuding zu ihr nach Oberurbach zurück. Paula arbeitet in der Redaktion der „Süddeutschen Arbeiterzeitung“. Ihr Mann wird bei der kommunistischen Partei angestellt. Im Oktober 1925 wird er in das Zentralkomitee des KJVD gewählt und das Ehepaar Nuding zieht nach Berlin. Er ist dienstlich im In- und Ausland unterwegs und deshalb häufig abwesend. Paula ergeht es im Rahmen ihrer Arbeit und ihrer politischen Tätigkeit ebenso. Eine Zeitlang ist sie als Vertreterin des Kommunistischen Jugendverbandes die Kontaktperson zwischen dem KJVD und der Kommunistischen Jugendinternationalen (KJI) und in dieser Funktion auch in Moskau tätig. Immer wieder auseinandergerissen zu werden nimmt das Paar als unvermeidliche Selbstverständlichkeit hin. 1928 nimmt sie ihre Arbeit im Auslandsbüro der KJI in Berlin auf. Die Hoffnung auf ein Kind zerschlägt sich im selben Jahr durch eine Fehlgeburt. 1929 beginnt sie als Sekretärin und Pressestenographin im Zentralkomitee der KPD.

Mit der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 beginnt die Ausschaltung des politischen Gegners. Schon nach drei Wochen werden die ersten Konzentrationslager errichtet. Infolge der Verhaftung ihres Mannes 1933, emigriert Paula über Kopenhagen nach Frankreich. Hier arbeitet sie 1937 für die Zeitung „Deutsche Volkszeitung“. Im Jahr 1938 erfährt sie aus dem Staatsanzeiger, dass sie aus Deutschland ausgebürgert wurde und somit staatenlos ist.

Im August 1939 beginnt in Frankreich die Verfolgung linksgerichteter politischer Emigranten. Die „Deutsche Volkszeitung“ wird am 25. August 1939 verboten. Bis zum Januar 1940 gelingt es ihr, sich zu verstecken. Dann wird sie aufgespürt und als politischer Schutzhäftling im Lager Camp de Rieucros/Lozere inhaftiert.

Im Jahr 1941 erhält eine Reihe der inhaftierten politischen Emigrantinnen durch Vermittlung von Hilfskomitees in der Schweiz und in Amerika die Möglichkeit, nach Mexiko auszuwandern. Paula Nuding hat das Glück, zu jenen zu gehören. Zusammen mit etwa 40 Kameradinnen wird sie im Sommer 1941 in das Ausreiselager Bompard in Marseille verlegt. Dort erhält sie Stadturlaub, um Formalitäten für die Auswanderung zu erledigen. Dabei nimmt Paula Nuding Verbindung zu deutschen Emigrantinnen auf, die illegal in Marseille leben. Sie erfährt, dass die Kameradinnen und Kameraden im besetzten Teil Frankreichs unter schwierigsten Bedingungen in der Resistance arbeiten. Schnell reift in ihr der Entschluss, nach Paris zurückzukehren. Am 6. November 1941 flieht sie und gelangt unter dem Namen Rosa nach Paris. Da die politischen Emigrantinnen bis 1939 legal in Paris gemeldet waren, ist die Lage dort äußerst gefährlich.

Sie wird von November 1941 bis November 1943 Mitglied der KPD-Landesleitung und arbeitet zudem in der Zeitungs- und Flugblattsredaktion des Komitees „Freies Deutschland für den Westen“. Die verstärkten Aktivitäten der französischen Widerstandsbewegung bleiben den Nationalsozialisten und der französischen politischen Polizei nicht verborgen. Im November 1943 wird Paula von der Gestapo verhaftet und mit dem letzten Häftlingstransport am 13. August 1944 aus Frankreich in das Konzentrationslager Ravensbrück deportiert.

Infolge der Befreiung kehrt Paula Nuding zunächst nach Berlin, dann zu ihren Eltern nach Schwäbisch Gmünd zurück. Anschließend zieht Paula nach Heidelberg und wird nach der Gründung der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) Mitglied des Kreisausschusses der Kreisstelle Heidelberg. Sie lässt sich von Hermann Nuding scheiden und führt einen jahrelangen Kampf um die Wiedererlangung der deutschen Staatsbürgerschaft. Der NS-Staat hatte ihr diese aberkannt; Westdeutschland weigert sich, dieses Unrecht zu beheben.

Beim Neuaufbau der Gewerkschaften in Heidelberg trifft Paula Nuding Hans Rueß wieder, einen alten Freund aus der sozialistischen Jugend. Am 1. November 1947 heiratet Paula Nuding Hans Rueß und zieht zu ihm, seiner Mutter und seinen Töchtern nach Esslingen.

Auch in der Nachkriegszeit bleibt Paula politisch engagiert. Sie wird Gewerkschaftssekretärin, gehört zu den Gründungsmitgliedern des Demokratischen Frauenbundes Deutschland. Zudem setzt Paula sich für die Rechte und Entschädigung ehemaliger KZ-Häftlinge ein, engagiert sich in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sowie der Friedensbewegung und wird 1968 Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei, an deren Neukonstituierung ihr Mann maßgeblich beteiligt ist.

Am 8. August 1980 stirbt Paula Rueß in Esslingen am Neckar an Krebs. Ihre Taten im Widerstand und ihr Engagement in der Nachkriegszeit bleiben unvergessen.