
AGNES SCHREIBER
LEBENSDATEN
vor 1399 – nach 1427 in Mergentheim
Stifterin für das Spital
ERINNERUNGSORT
Gedenktafel am Hospital zum Heiligen Geist, Kirchstraße 4, 97980 Bad Mergentheim
Auszug aus dem Werk „Geschichte(n) aus Bad Mergentheim Band 5 – 37 Lebensbilder aus der Zeit vor 1809“. Von Olaf Schmid
Als wohlwollende Stifterin für das Hospital zum Hl. Geist ist Agnes Schreiber schon bekannt. Aber wie kamen die Stiftungen eigentlich zustande? Über Agnes Schreiber konnte weder ein Geburts- noch ein Sterbedatum ermittelt werden. In einer Urkunde aus dem Jahr 1399 erscheint ihr Name erstmals als Bürgerin von Mergentheim im Zusammenhang mit dem Verkauf eines Hofes in Königshofen an sie und ihre Tochter Ketterlein.1 Darin wird erstmals eine Tochter erwähnt, die später nicht mehr erscheint. Aus dem gleichen Jahr wurde ein Vertrag erstellt, in dem die Stiftung eines Seelgeräts in der Stadtpfarrkirche in Mergentheim durch Ulrich Fleckenstein, den Pfarrer von Rüsselhausen und seinen Schwestern Agnes Schreiber und Katharina Schaffer (auch Schaffnerin, Schäffer, Scheffnerin manchmal auch Güntherin) festgeschrieben war. Die Messen sollte Heinrich Brüsse, der damalige Pfarrer an der Stadtpfarrkirche halten. Diesen Vertrag bestätigte der Komtur und Pfleger der Johanniterhäuser von Mergentheim und Rothenburg Hermann Krantz.2 Der Vertrag ließ erkennen, dass Agnes Schreiber eine geborene Fleckenstein war.
Die eigentliche Stiftung für das Spital ergab sich durch die Bereitstellung des Bauplatzes am Gänsmarkt für die Erweiterung durch eigene Mittel der Agnes Schreiber im Jahr 1411.3 Diese Mittel setzten sich zum einen aus dem Vermögen der Katharina Günther, einer frommen tugendhaften Witwe aus Mergentheim, für den Deutschen Orden, die Pfarrkirche, das Spital und für das Almosen zusammen, die sie Heinz Schreiber vermachte. In dem Vertrag vom 27. Januar 1411 wurde genau festgelegt, was alles mit dem Vermögen bezahlt werden sollte. Darunter befanden sich außer Messen und Messgewänder auch sechs Morgen Acker, die dem Spital zufallen sollten. Nach den festgelegten Legaten sollte der Rest an Heinz Schreiber fallen.4 Ob Heinz Schreiber mit Agnes Schreiber verwandt oder sogar ihr Ehemann war, ließ sich leider nicht mehr ermitteln.
Im Februar 1411 übergaben Seitz Marstaller und seine Frau Adelheid ihr sämtliches Vermögen dem Deutschen Orden. Als Gegenleistung waren beide von den Steuern der Stadt befreit. Ihnen selbst blieben noch 20 Gulden, die sie für Messen und Jahresgedächtnisse für ihr Seelenheil einsetzten. Die Übergabe des Gutes des Ehepaares hing mit ziemlicher Sicherheit mit der Erweiterung des Spitals zusammen. Agnes Schreiber, die den Grund, Geldmittel und Besitz für diese Erweiterung an das Spital übergab, war eine Verwandte dieser Marstaller. Ein Eberhard Marstaller, wohl ein Sohn dieses Ehepaares, war auch der Neffe der Agnes Schreiber. Dieser wurde als erster Vikar des Benefiziums in der Spitalkapelle eingesetzt, wie aus der Bestätigung der Stiftung durch den Würzburger Bischof Johann II. von Brunn aus dem Jahr 1418 hervorging.5
Im Jahr 1411 entflammten die Streitigkeiten zwischen dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden erneut. Die Johanniter wollten den Erweiterungsbau sowie das von Agnes Schreiber gestiftete Benefizium auf den damals bestandenen Dreifaltigkeitsaltar verhindern.6 Trotz dieser Widerstände stiftete Agnes Schreiber im Jahr 1416 die Spitalkapelle und eine sich darin befindende Messpfründe.7 Den neu gestifteten Altar in der Spitalkapelle bestätigte der Würzburger Bischof. Die dazugehörige Pfründe musste mit genügend Mitteln ausgestattet sein, um dem mit der Seelsorge versehenden Vikar ein Überleben zu sichern. Die Einkünfte der Pfründe bestanden aus Gütern, die Agnes Schreiber in Althausen und Neunkirchen sowie aus Wiesen in Wachbach und Stuppach dazugekauft hatte. Auch Katharina Schaffer hatte die Einkünfte aus Weinbergen in der Arkau dem Spital übertragen.8 Diese sollten zu einem ewigen Zins angelegt werden. Als Ersatz übergab Agnes Schreiber dem Spital ihr besseres Haus am Markt.9
Welches Haus dies genau war, ließ sich leider auch nicht mehr feststellen. Im gleichen Jahr übergab der Dinkelsbühler Mathes Hertlein für sein und seiner Eltern Seelenheil dem Spital eine Hofreit am Gänsmarkt gegenüber dem Spital mit allem Zubehör.10 Zur Ablösung der jährlichen Gült an den Deutschen Orden übergab Agnes Schreiber vierzehn Gulden der Trapponei. Im Jahr 1420 verkaufte Leupold von Seldeneck zu Amlishagen an Agnes Schreiber Güter und Gülten zu Zimmern (Herrenzimmern) und anderen Orten11, die diese 1421 an Konrad von Weinsberg wieder abgab.12
Agnes Schreiber blieb dem Spital eng verbunden. Nachdem es errichtet war, kümmerte sie sich um seine weitere Existenz, indem sie mit einem Testament all ihre im Jahr 1422 noch bestandenen Güter dem Spital vermachte. Sie behielt sich nur 100 Gulden für die eigene Verwendung vor. Bei diesen Gütern handelte es sich hauptsächlich um solche, die außerhalb von Mergentheim bestanden.13 In einem Testamentszusatz im Jahr darauf waren auch ihre innerhalb von Mergentheim bestehenden Güter einbegriffen. In einem ausführlichen Bestätigungsbrief von 1423 wurden diese Güter nochmals aufgeführt. Darunter befand sich sowohl ein Haus in der Mühlwehrgasse, das zuvor ihrer Schwester Katharina gehörte, als auch ihr Haus am Markt, welches sie selbst bewohnte, etliche Äcker und Weinberge und die Einkünfte daraus.14 Weitere Einkünfte übergab Agnes Schreiber im gleichen und kommenden Jahr an das Spital.15 1425 kam eine weitere Hofreite neben der bereits erkauften hinzu. Dazu löste Agnes Schreiber die fälligen Zinsen ab.16 1427 wurden ihr Testament mit den Zusätzen und ihre Stiftungen in mehreren Urkunden bestätigt, was wohl ihren herannahenden Tod erahnen ließ. Zu ihrem Seelenheil waren Seelenmesse, Totenvigil und die Aufnahme ins Gebetsgedächtnis vereinbart.17
Noch im Jahr 1478 bestätigte der Deutschmeister Ulrich von Lentersheim die Stiftungen und die Lesung der Seelenmesse für die verstorbene Agnes Schreiber zum Wohle der Stifterin.18 Wann genau Agnes Schreiber verstarb, ließ sich leider nicht ermitteln, aber ihr Name steht immer in Verbindung mit der Erweiterung des Spitals. Ihr zu Ehren wurde eine Straße in Mergentheim benannt.
1 STAL (Staatsarchiv Ludwigsburg) JL 425 Bd. 21 Qu. 62 und Qu. 42. Klebes, Bernhard, Der Deutsche Orden in der Region Mergentheim im Mittelalter S. 568, später nur Klebes genannt.
2 STAL JL 4225 Bd. 21 Qu. 20, STAL JL 425 Bd. 3 Qu.10, Klebes S. 543.
3 STAL JL 425 Bd. 21 Qu. 41.
4 STAL JL 425 Bd. 3 Qu. 57.
5 lebes S. 328 und 543, STAL JL 425 Bd. 3 Qu. 57.
6 Klebes S. 566.
7 STAL JL 425 Bd. 21 Qu. 41.
8 STAL B 250 U 137, STAL JL 425 Bd. 3 Qu. 79, Klebes S. 543.
9 Klebes S. 568.
10 Klebes S. 547.
11 HZAN GA 6 U 2113.
12 STAL JL 425 Bd. 20 Qu. 173, HZAN GA 15 Schubl. L Nr. 137.
13 Klebes S. 548, STAL JL 425 Bd. 3 Qu. 106.
14 STAL B 250 U 140, STAL JL 425 Bd.3 Qu. 106, Klebes S. 548.
15 STAL JL Bd. 21 Qu. 21 und Bd. 3 Qu. 106.
16 STAL B 250 U 141, STAL JL 425 Bd. 3 Qu. 112.
17 STAL B 250 U 142, Klebes S. 550 und S. 611.
18 STAL B 250 U 156.

