Ausblick: 2018/2019 – 100 Jahre Frauenwahlrecht in Baden-Württemberg

Bündnis startet Kampagne/Aktivitäten anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht

Dabei geht es den Bündnispartnerinnen (Landeszentrale für politische Bildung, Landesfrauenrat, Frauenorganisationen, Frauen- und Bildungsabteilungen der Kirchen, Vertreterinnen des Sozialministeriums, der Landesgeschichte, der Kultur) nicht allein um das Geschichtsjubiläum „100 Jahre Frauenwahlrecht“ und die Vergegenwärtigung von Vergangenem. Es geht auch und vor allem um den Schutz und die Weiterentwicklung der Demokratie durch eine Ausweitung der politischen Beteiligung von Frauen und von Bürger/innen und durch eine Gewährleistung tatsächlicher Repräsentanz (Stichwort: Wahlrechtsreform).

Hinzu kommt, dass mit der Kommunalwahl- und der Europawahl 2019 zwei für den Alltag von Frauen überaus entscheidende „Anwendungsfälle“ zur Wahrnehmung des aktiven und passiven Wahlrechts auf der Tagesordnung stehen.

Aufruf zur Mitwirkung – Machen Sie Ihre Vorhaben sichtbar!

Im Namen des Bündnisses ruft die Landeszentrale für politische Bildung alle Fraueninitiativen, Ortsgruppen, Einrichtungen oder Organisationen im Land auf, ihre Ideen für Aktionen rund um das Jubiläum des Frauenwahlrechts zu sammeln und publik machen.

Möglicherweise haben Sie sich bereits Gedanken zu diesem Jubiläum gemacht. Vielleicht sind Sie sogar bereits in der konkreten Konzeption oder Planung von Vorträgen, Lesungen, einer Tagung, einer Ausstellung, einem Kunstprojekt, einem Theaterstück, Filmabenden, Gesprächsrunden, Erzählcafés oder Exkursionen auf den Spuren des (Frauen)Wahlrechts. Die Jubiläums-Aktivitäten sollen in einem landesweiten Kalender sichtbar werden. Ein Formular zur Abfrage Ihrer Vorhaben – welcher Art auch immer – finden Sie hier: Formular_Vorhaben_Frauenwahlrecht
Dieses sollte baldmöglichst gesendet werden an: Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Beate Dörr, Lautenschlagerstraße 20, 70173 Stuttgart, Fax: 07 11.16 40 99-77, beate.doerr@lpb.bwl.de

Ein Blick in die Geschichte

Am 12. Januar 1919 hatten Frauen erstmals neben Männern das Recht zu wählen und sich wählen zu lassen. Genau 100 Jahre später am 12. Januar 2019 wollen wir daran in der Veranstaltung „Herrengedeck und Frauengedöns“ erinnern (in Planung als eine Veranstaltung des Landesfrauenrates, unseres Mitgliedsverbandes Frauen & Geschichte Baden-Württemberg e.V. und der Landtagspräsidentin).

Die Wahl zur verfassungsgebenden Landesversammlung von Württemberg, die sich nach Annahme der Landesverfassung im Mai 1919 Landtag nannte, konnte mit einer besonders hohen Wahlbeteiligung von 90,9 % durchgeführt werden. Diese wird von HistorikerInnen wesentlich mit auf die „Nutzung des Wahlrechts durch Frauen“ zurückgeführt. Unter den insgesamt 150 Mandatstragenden befanden sich 13 weibliche Abgeordnete, im Vergleich zu den anderen Ländern eine überdurchschnittliche Repräsentanz von Frauen. Darunter waren die Frauenrechtlerinnen und Politikerinnen Mathilde Planck (1861-1955, DDP) und Clara Zetkin (1857-1933, SPD, USPD, KPD).

Im Nachbarstaat Baden wurde bereits eine Woche früher, am 5. Januar 1919 die verfassungsgebende Versammlung gewählt. Auch hier trugen die erstmals ihr Wahlrecht ausübenden Frauen zur hohen Wahlbeteiligung von 88,8 % bei. Unter insgesamt 107 Abgeordneten waren neun Frauen. Darunter waren die Vorsitzende der sozialdemokratischen Frauen Badens, Therese Blase (1873-1930, SPD) und die Frauenrechtlerin und die Rechtshistorikerin Marianne Weber (1870-1954, DDP), die als erste Frau im badischen Landtag das Wort ergriff: „Wir Frauen können nur unserer hohen Freude und Befriedigung darüber Ausdruck geben, daß wir zu dieser Aufgabe mitberufen sind, und ich glaube sagen zu dürfen, daß wir besser für sie vorbereitet sind als vielleicht die meisten von Ihnen glauben.“

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