Alterssicherung: Rente muss zu einem Leben in Würde reichen!

Stopp Altersarmut – Landesfrauenrat im Bündnis gegen Armut im Alter in Baden-Württemberg

Veranstaltung des Bündnis am 17.10.2017 in Stuttgart

Über 30 Sozialverbände, Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen – wie der Landesfrauenrat und der Landesfamilienrat – sowie kirchliche Organisationen in Baden-Württemberg haben sich am 3. April 2017 in Stuttgart zu einem breiten landesweiten Bündnis gegen Altersarmut zusammengefunden, um noch vor der Bundestagswahl für einen Kurswechsel in der Rentenpolitik einzutreten.

Altersarmut ist überwiegend weiblich. Bei der Konstituierung erklärte Manuela Rukavina, Vorsitzende des Landesfrauenrates: „In Baden-Württemberg verdienen Frauen durchschnittlich 26 Prozent weniger als Männer, mit gravierenden Folgen für ihre Rente. Der alte Spruch „Frauen leben länger- aber wovon?“ wird immer aktueller. Wir als Gesellschaft und die Politik bauen in weiten Teilen darauf, dass Frauen ihre Erwerbsbiographien am Wohle anderer ausrichten, bezahlen sie dafür schlechter und am Ende ihres Lebens stehen diese Frauen zum Dank dafür mit Minirenten da. Bei der aktuellen Lage und der Weiterentwicklung beim Thema Rente sieht man deutlich, warum sich der Landesfrauenrat und seine über 2,5 Millionen organisierten Frauen dem Bündnis angeschlossen haben.“

Wie dringlich ein Kurswechsel in der Rentenpolitik gerade für Frauen ist, belegen alljährlich auch die Zahlen zu den Altersrenten. So betrug der durchschnittliche monatliche Zahlbetrag der gesetzlichen Altersrente in Baden-Württemberg  im Jahr 2015 für Frauen lediglich 636 Euro, für Männer 1 155 Euro. Frauen hatten damit durchschnittlich nur 55 % der durchschnittlichen Rente eines Mannes. (Vergleichsdaten der Vorjahre finden Sie hier.)  Als armutsgefährdet galten 2015 in Baden‑Württemberg Einpersonenhaushalte mit einem Einkommen unter 1 033 Euro. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg stellte entsprechend fest: “Das Armutsrisiko war vor allem bei Frauen ab 65 Jahren deutlich erhöht. Jede Fünfte Frau war 2015 armutsgefährdet, bei den Männern derselben Altersklasse war es nur jeder Siebte.”
Im Bündnispapier http://www.buendnis-gegen-altersarmut.de/Ziele-und-Positionen/ halten die Partnerinnen und Partner fest: „Eine reiche und soziale Gesellschaft darf es nicht länger zulassen, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, in Armut geraten. Ein Wechsel in der Rentenpolitik ist dringend nötig und auch möglich. Die gesetzliche Rente soll wieder die Wahrung des Lebensstandards im Alter ermöglichen. Sie muss Armut im Alter verhindern! Wir halten ein Rentenniveau von wenigstens 50 Prozent für erforderlich!“

Alternativen – ein Blick in die Nachbarländer Österreich und Schweiz

Bei einer Fachveranstaltung des Bündnisses gegen Armut im Alter am Dienstag, 17.10.2017 in Stuttgart wurden das Modell Schweiz und das Modell Österreich vorgestellt. Auf der Website des Bündnisses sind die Beiträge zur Schweiz und zu Österreich im pdf-Format hinterlegt: http://buendnis-gegen-altersarmut.de/Veranstaltungen-und-Termine/

Weiterführende Informationen zu den Armutsrisiken im Laufe des Erwerbslebens bietet eine Zusammenstellung von Dr. Judith Kerschbaumer, Leiterin des Bereichs Sozialpolitik in der ver.di Bundesverwaltung. Diese veranschaulicht u.a. in ausgewählten Musterrechnungen, wie niedrig Altersrenten am Ende heute schon ausfallen und erst recht in naher Zukunft ausfallen werden – wenn kein Kurswechsel durchsetzbar sein sollte … Diese Materialien finden Sie hier: SoSi 9-16 Wie weiter mit der Rente, Daten und Fakten 17.8.17 (2)

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