Wege aus der Frauenarmut

Zahlenwerke zur Einkommensarmut

Dass Frauen durchschnittlich mehr von materieller Armut betroffen sind als Männer zeigen zum wiederholten Male die Statistiken zur Armutsgefährdung, die das Statistische Bundesamt zuletzt Ende August 2017 für das  Jahr 2016 veröffentlicht hat. Die Armutsgefährdungsquote (gemessen mit dem ‘Bundesmedian’,  wer weniger als 60 % des  Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung in Privathaushalten bundesweit hat, gilt als armutsgefährdet) lag für Baden-Württemberg insgesamt bei 11,9 %. Überdurchschnittlich von Armut betroffen waren wie in den Vorjahren alleinerziehende Eltern (meist Mütter) und deren Kinder, Erwerbslose und Frauen ab 65 Jahre. Wird der Landesmedian zugrunde gelegt, der sich am Durchschnitteinkommen im jeweiligen Bundesland orientiert – er betrug für Baden-Württemberg 2015 für einen Einpersonenhaushalt 1 033 Euro – , so verschieben sich diese Werte für Baden-Württemberg zu einem ungünstigeren, doch realistischerem Bild: So lag im Jahr 2015 die Armutsgefährdungsquote in Baden‑Württemberg gemessen am Landesmedian bei 15,3 Prozent; gemessen am Bundesmedian waren in Baden‑Württemberg lediglich 11,8 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet.

Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg stellte auch für 2015 fest: Frauen waren 2015 mit 16,3 Prozent etwas häufiger armutsgefährdet als Männer (14,3 Prozent). Das Armutsrisiko war vor allem bei Frauen ab 65 Jahren deutlich erhöht: Jede Fünfte Frau war 2015 armutsgefährdet, bei den Männern derselben Altersklasse war es jeder Siebte.

Ein Indiz für den hohen Anteil von Armut betroffener Menschen in unserem reichen Land liefern auch die Zahlen der so genannten Wohngeldhaushalte, die das Statistische Landesamt Baden-Württemberg am 16.08.2017 veröffentlicht hat.

Durch die Wohngeldreform zum 1. Januar 2016 wurde das Wohngeld an die Entwicklung der Einkommen und der Warmmieten angepasst. Hierdurch ist die Zahl der wohngeldberechtigten Haushalte gestiegen, ebenso die Höhe des durchschnittlichen monatlichen Wohngeldanspruchs. Wohngeld ist ein von Bund und Ländern zu gleichen Teilen getragener Zuschuss zur wirtschaftlichen Sicherung angemessenen und familiengerechten Wohnens. 63 726 “reine Wohngeldhaushalte” gab es am 31. Dezember 2016 in Baden‑Württemberg,  gegenüber dem Jahr 2015 ein Anstieg um 44,9 %. Außerdem erhielten 60 308 MieterInnen einen Mietzuschuss, an 3 418 BesitzerInnen von Wohneigentum ging ein Lastenzuschuss. Die Zahl der Mietzuschusshaushalte erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 45,6 %, die Zahl der Lastenzuschusshaushalte um 33,3 %. Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch lag Ende 2016 insgesamt bei 175 Euro (Vorjahr: 128 Euro). Für Haushalte von Mietzuschuss lag er bei 171 Euro (125 Euro) und für Haushalte von Lastenzuschuss bei 247 Euro (172 Euro). Die durchschnittliche tatsächliche monatliche Miete betrug 480 Euro (Vorjahr: 463 Euro), die durchschnittliche berücksichtigungsfähige monatliche Miete lag bei 460 Euro (422 Euro), und das durchschnittliche Gesamteinkommen lag bei 950 Euro (918 Euro).

Engagement gegen Frauenarmut

Wege aus der Frauenarmut aufzuzeigen ist seit Gründung des Landesfrauenrates ein Arbeitsschwerpunkt.
2015 stand dies im Mittelpunkt unserer Mitarbeit am ersten Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württemberg bzw. dem dazu eingerichteten Begleitgremium des Sozialministeriums. Im Mai 2012 hatte der LFR eine Tagung zur Frauenarmut in Baden-Württemberg veranstaltet. Ab Juni 2012 bis Oktober 2013 erarbeitete daraufhin ein Arbeitskreis der Mitgliedsverbände ein Positionspapier zu Wegen aus der Frauenarmut. Dieses wurde als Forderungspapier von der Delegiertenversammlung im Nov. 2013 beschlossen: 2013-Beschluesse-Armut
Eine Vertreterin des LFR-Vorstands brachte  die im Arbeitskreis erarbeiteten Postionen in den (beim Sozialministerium BW angesiedelten) Beirat zum Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württemberg ein, der den Schwerpunkt Kinderarmut bearbeitete. Der LFR wies u.a. darauf hin, dass Kinderarmut vornehmlich “abgeleitete” Armut, zumeist der Armut von Müttern ist.  Der Bericht des Landes, zu dem auch der LFR einen eigenen Beitrag verfasst hat, wurde im Nov. 2015 veröffentlicht und kann hier in voller Länge herunter geladen werden. Zusammenfassungen und Einzelteile erreichen Sie über diese Seite des Sozialministeriums Baden-Württemberg.

Auch die Konferenz der Landesfrauenräte 2012, die vom LFR BW ausgerichtet wurde, befasste sich mit dem Schwerpunkt Frauenarmut.

Aktuell setzt sich der Landesfrauenrat u.a. im Bündnis gegen Altersarmut für Wege aus der Altersarmut besonders der Frauen ein.

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