2008: Ernährung für Kinder und Jugendliche – zum Aktionsplan 2018

Vorschläge und Anregungen des Landesfrauenrats Baden-Württemberg zum Aktionsplan 2018 – Ernährung für Kinder und Jugendliche

Der Landesfrauenrat begrüßte die Initiative des Ministeriums für Ländlichen Raum zur Erstellung eines Aktionsplans für die Ernährung von Kindern und Jugendlichen. Die gesunde Ernährung und die Schaffung der entsprechenden Ernährungskompetenzen in Familie und in Bildungseinrichtungen sind dem Landesfrauenrat seit langem wichtige Anliegen.
Mit Schreiben vom 7. Februar 2008 stellte er u.a. fest:
Ein grundlegendes Defizit sind zu wenig Sinneserfahrungen mit hochwertiger, geschmackvoller Nahrung und Nahrungszubereitung.
Des weiteren:
- fehlende Kenntnisse über Nahrungsbedarf des Körpers – Mengen werden i. d. R. überschätzt
- fehlende Kenntnisse über die Zusammensetzung der wichtigsten Nahrungsmittel
- fehlende Kenntnisse über Nahrungsqualität – in Hinblick auf Produktion und Verarbeitung
- fehlende Kenntnisse über Nahrungsmittellagerung und –zubereitung.
Hinzu kommen mangelnde Esskultur (im Stehen und im Gehen essen, jederzeit essen, alleine essen – das Überangebot an Fastfood und Billigessen) und ein noch zu wenig ausgebildetes Bewusstsein, dass gute Nahrung Zeit benötigt und Geld kostet und diese Zeit und ihr Geld wert ist.

Zu 3.
Vermittlung von Ernährungskompetenzen in allen Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen. Diese sollten auch einen Teil der nötigen Elternbildung mit übernehmen. Das Thema Ernährung ist auch in der Aus- und Fortbildung der Lehrer und Lehrerinnen, der Erzieher und Erzieherinnen zu verankern.

Zu 4.
Bewusstseinswandel zu veränderter Prioritätensetzung im Konsum – hin zu mehr gesundheitsbewußtem, genussvollem und ökologisch verantwortlichem Nahrungskonsum.
‘Erwachsene müssen vorbildhaft handeln durch bewusstes Einkaufsverhalten, Kochen, gemeinsame Familienmalzeiten.
Alle Schulkinder erwerben Grundkenntnisse über Nahrungszubereitung, Lagerung und Nahrungsproduktion. Schulgärten und Gemüsegärten in Kinderbetreuungseinrichtungen werden regelmäßig aktiv bewirtschaftet.
Verankerung einer Slow-Food-Kultur. Essenspausen müssen ausreichend lang sein.

II. Zu den einzelnen Stichworten/Fragen

1. Ernährungsziele
- Gesunde Ernährung.
- Nachhaltiger ökologisch verantwortlicher und genussvoller Konsum von Nahrungsmitteln.

2. Kompetenzen
- Kenntnisse über den Nahrungsbedarf des Körpers – was brauche ich, in welchen Mengen?
- Kenntnisse über die Zusammensetzung der wichtigsten Nahrungsmittel.
- Kenntnisse über Nahrungsqualität – in Hinblick auf Produktion und Verarbeitung.
- Kenntnisse über Nahrungszubereitung – auch große Köche zu Vorführungen einladen (Beispiel: Projekt „UnKochbar“, Kunstakademie Stuttgart, 2008).
- Kenntnisse über Kultur des Essens in anderen Ländern.

3.- 5. Verantwortung/Kompetenz Eltern und Erziehende, Verankerung Ernährungsziele und -kompetenz in Familien und Bildungseinrichtungen
- Lehrkräfte und ErzieherInnen bereiten gemeinsam mit Kindern Nahrung zu, kochen und essen gemeinsam, erleben Essen als Kultur!
- Eltern zum Essenzubereiten und miteinander Essen in die Einrichtungen einladen.

Nachbarschafts-Gemeinschaftsküchen.

- Information über gesundheitliche Folgen von Fehlernährung/Übergewicht.
- Kindergarten-Gärten, Schulgärten.
- Einkauf bei regionalen Produzenten auf Märkten, ab Hof – in Verbindung mit „Lerngängen“ der Kinder.
- Ermöglichung reicher Sinneserfahrungen mit Produktion, Zubereitung und Verzehr der Nahrung. (Beispiel: Geschmacks-, Geruchs-, Sinnesgärten).

Verankerung einer Slow-Food-Kultur von Anfang an.

6. und 7. Ganztagsverpflegungsangebote, Qualitätssicherung, Einbeziehung des Umfelds
Ganztagsverpflegung
- Einkauf und Verarbeitung qualitativ hochwertiger Produkte; z.B. Gemüsekistenabos bei regionalen Produzenten.
- Unverfälschte Geschmacks- und Geruchserlebnisse ermöglichen.
- Buffets mit ausschließlich gesunden Zutaten – die Kinder suchen sich aus, was sie benötigen.
- Kinder altersentsprechend an der Nahrungszubereitung beteiligen.
- Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte, die Kinder anleiten.
Nicht nur Studierenden sollte verbilligtes Essen angeboten werden, sondern auch Schulkindern.
Die (Re-)Aktivierung der Schulgärten könnte durch Projekte unter Beteiligung von Eltern, Gartenbauvereinen oder Jugendgruppen erfolgen.

8. – 10. Problemgruppen, Abstimmung von Angeboten etc.
- Kochkurse für Eltern, einfache schmackhafte preiswerte Küche, internationale Küche auch entsprechend der multiethnischen Zusammensetzung in Kindertageseinrichtungen anbieten.
- Verordnungen für Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulküchen entsprechend flexibel gestalten.
- Gefährdungshinweise auf „Dickmacher“, Plakat-, TV-Werbung etc. Ebenfalls mit Gefährdungshinweisen versehen.
Verantwortung der Nahrungsmittelindustrie und Imbissketten (aggressive Fastfood-Werbung) anmahnen.

Umwidmung bzw. Zwischennutzung geeigneter kommunaler Grundstücke zu Nutzgärten, z.B. für Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Elterninitiativen.

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